Bosnien noch einmal ganz typisch – so, wie wir es in den letzten Tagen kennengelernt haben: wunderschöne Natur, Einfamilienhäuser mit kleinen Feldern und überall Verkaufsstände mit Kartoffeln, Zwiebeln, Erdbeeren, Kirschen und allem, was das Land sonst noch hergibt.
Links von der Straße eine Schafherde, begleitet von einem alten Mann. Als er uns sieht, hebt er die Hand zum Gruß. Ich winke zurück – und voller Freude wirft er auch die zweite Hand in die Luft. So winken wir uns gegenseitig zu, bis sich unsere Wege endgültig trennen. Ehrlich: DAS sind die wahren Begegnungen. Und allein die Erinnerung daran zaubern uns wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Auffällig ist auch, wie gepflegt die Frauen in den Städten sind – Botox inklusive. Die Mode hingegen wirkt noch einige Jahre zurück. Geschäftsfrauen laufen mühsam in Stöckelschuhen durch die Straßen, während bei uns Sneakers längst selbstverständlich zum Business-Look gehören.
Unsere letzten Mark – das Zahlungsmittel in Bosnien – haben wir übrigens schon gestern Abend äußerst sinnvoll in Schokolade investiert. Und überhaupt: Einen Kaffee zu trinken und dabei mit Kreditkarte zu bezahlen, ist hier gar nicht so einfach.
Bald erreichen wir die Grenze zu Montenegro. Wieder einmal haben wir Glück und können nahezu ohne Wartezeit passieren. Kurz darauf kreuzt die erste Schlange unseren Weg. Wenig später noch eine. Das Erschrecken darüber ist längst nicht mehr so groß wie früher – schließlich kennen wir das schon aus vergangenen Urlauben.
Gegen Mittag entdecken wir ein uriges Gasthaus und legen einen Stopp für ein kleines Mittagessen ein. Gerade wird ein herrlich duftendes Kartoffelgratin oder etwas Ähnliches aus dem Ofen geholt. Der ältere Mann, der uns bedient, scheint zu verstehen, dass wir genau DAS bestellen möchten. Auf meine wiederholte Nachfrage nach „Kartoffeln mit Gemüse?“ antwortet er jedenfalls selbstbewusst mit: „Ja, ja.“
Was dann serviert wird, hätte wohl jeden Vegetarier rückwärts aus dem Lokal flüchten lassen: Für jeden von uns drei Spiegeleier, gebratener Schweinebauch, gebratene Würstchen, Sahne, irgendein spezieller Käse und Brot. Ach, wie sehr hatten wir uns auf Kartoffelgratin mit Gemüse gefreut … Aber so ist das eben, wenn einer eine Reise tut…
Der Nachmittag wird abenteuerlich: 35 Kilometer durch die pure Pampa. Die Straße ist schmal, abschüssig und ohne Leitplanken – und hinter jeder Kurve wartet das Ungewisse. Umso beruhigender ist es, zwischendurch doch wieder ein einzelnes Häuschen oder sogar eine kleine, abgelegene Siedlung zu entdecken. Ganz ehrlich: Ein kleines bisschen weniger Abenteuer hätte uns auch genügt.
Und mittendrin, völlig unerwartet: Container, eine Baustelle, chinesische Schriftzeichen. Ein großes Schild mit der Aufschrift „China Energy“. Wer hätte das hier draußen für möglich gehalten? Tatsächlich – China mitten im Nirgendwo … Dabei waren wir doch längst überzeugt, dort angekommen zu sein, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.
Plötzlich folgt das komplette Gegenteil. Zum ersten Mal auf dieser Reise erblicken wir das Meer – und mit ihm eine Stadt voller Wolkenkratzer. Je näher wir kommen, desto mehr riesige Hotels tauchen auf: alte, neue und unzählige Baustellen. Das alles ist so gar nicht unseres. Ja, auch Montenegro hat viele Gesichter.
Unser Zimmer für diese Nacht liegt zwar wunderschön oberhalb des Meeres, doch wie Papa sagen würde: „Da ist schon ein Stern heruntergefallen.“ Auch das Abendessen und das Frühstück lassen uns eher enttäuscht zurück. Schon sehnen wir uns wieder nach den einfachen, landestypischen und liebevoll geführten Unterkünften der vergangenen Tage. Doch der erste Sonnenuntergang am Meer macht schließlich vieles wieder gut.
