Es geht weiter in die Region Molise. Am Morgen führt uns die Strecke durch die sanft hügelige Landschaft Basilicatas und durch einen wunderschönen Wald, der ein beliebtes Ziel für Wanderer und Ausflügler zu sein scheint. Die Natur zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite.
Immer wieder verlaufen die Straßen in weiten Bögen um kraterähnliche Vertiefungen herum. Diese faszinierenden Formationen wirken auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Mondlandschaft, Erosionsgräben und eingestürzten Kratern. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um vulkanische Krater, sondern um sogenannte Calanchi: stark erodierte Tonhügel und Tonschichten, die über Jahrtausende durch Regen, Oberflächenwasser und Unterspülungen geformt wurden. So entstanden tiefe Rinnen, Mulden und Kessel in den weichen Böden.
Auch heute sind wir wieder abseits der Autobahn unterwegs. Der Himmel ist zunächst wolkenverhangen und kurz vor Mittag erwischen uns die ersten Regentropfen. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir in Campobasso ein kleines Lokal für unsere Mittagspause. Kaum haben wir drinnen Platz genommen, beginnt es kräftig zu regnen. Die Pasta ist ausgezeichnet, auch wenn die Einrichtung des Lokals ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Wir sind die einzigen Gäste. In der Küche werkelt die Oma, während der Opa in der Gaststube vor dem Fernseher sitzt. Allerdings scheint ihn das Programm kaum zu interessieren – immer wieder nickt er ein und bekommt vom Geschehen auf dem Bildschirm wohl nicht allzu viel mit. Solche kleinen, unspektakulären Momente bleiben oft länger in Erinnerung als manches touristische Highlight.
Doch wie heißt es so schön: Wenn Engel reisen … Als wir unsere Fahrt fortsetzen, hat sich das Wetter bereits wieder beruhigt. Für die letzte Etappe zur heutigen Unterkunft begleitet uns sogar wieder die Sonne.
